Ich lag in meinem eigenen Haus im Sterben, bis ein Kind mir etwas zuflüsterte und meine Frau plötzlich erblasste

Am achtzehnten Morgen meines Sterbens stellte meine Frau eine Vase mit weißen Lilien neben mein Bett und fragte, ob ich endlich an das Testament gedacht hätte.

Sie sagte es mit einem Lächeln. Doch ihre Finger zitterten am Rand der Porzellanvase.

Ich lag in der großen Schlafzimmersuite unseres Hauses am Stadtrand, während draußen der Regen gegen die hohen Fenster schlug. Seit drei Wochen konnte ich kaum noch laufen. Mein Körper wurde jeden Tag schwächer, mein Mund schmeckte bitter, und selbst das Licht der Nachttischlampe tat mir in den Augen weh.

— Du solltest dich ausruhen, Andreas — sagte Oksana und strich über die Decke. — Der Notar könnte morgen kommen, wenn du dich besser fühlst.

— Warum sollte ein Notar kommen?

Ihr Lächeln verschwand für einen Augenblick.

— Um Ordnung zu schaffen. Für den Fall, dass es dir schlechter geht.

Dann nahm sie ihre Handtasche, sprühte sich noch einmal Parfüm auf den Hals und verließ den Raum. Der Duft blieb länger als sie. Süß, schwer und fremd.

Ich hörte ihre Absätze auf der Marmortreppe. Danach das leise Zuschlagen der Haustür.

Niemand kam zurück.

Nicht meine Frau. Nicht mein Bruder. Nicht einmal mein engster Geschäftspartner, der mir früher täglich geschrieben hatte. Alle schickten höfliche Nachrichten, doch keiner setzte sich neben mein Bett und fragte, ob ich Angst hatte.

Nur Maria, die Hausangestellte, kam regelmäßig herein. Sie bewegte sich leise, mit dunkel zusammengebundenem Haar und einer kleinen Messingglocke an ihrem Schlüsselbund, die bei jedem Schritt kaum hörbar klirrte. Meistens brachte sie Wasser, wechselte die Handtücher oder nahm die leeren Teller mit.

An diesem Nachmittag kam sie nicht allein.

Ihr sechsjähriger Sohn Timko schlüpfte gegen halb fünf durch die Tür. Er trug eine viel zu große grüne Strickmütze, obwohl es im Zimmer warm war, und hielt einen zerknitterten Zettel in seiner Faust.

Er sah zur Tür, dann zu mir.

— Herr Kowalenko, ich muss Ihnen etwas geben.

— Was ist es?

Er ging näher, stellte sich auf die Zehenspitzen und legte den Zettel auf meine Decke.

— Mama sagt, Sie dürfen nichts essen, was Frau Galina bringt. Trinken Sie auch kein Wasser von ihr.

Für einen Moment hörte ich nur das Klirren der Heizung.

— Hat deine Mutter dir das gesagt?

Timko nickte. Seine Lippen waren fest zusammengepresst.

— Sie sagte, ich soll es niemandem sagen.

Ich nahm den Zettel. Meine Hand war so schwach, dass das Papier zwischen meinen Fingern knisterte.

Darauf standen nur wenige Worte: „Bitte vertrauen Sie mir. Warten Sie, bis es dunkel ist.“

— Warum glaubst du, dass ich dir vertrauen kann?

Der Junge sah mich mit einer Ernsthaftigkeit an, die nicht zu seinem kleinen Gesicht passte.

— Weil Sie noch leben sollen.

Dann lief er hinaus.

Eine Stunde später brachte Galina Stepanowna das Abendessen. Drei Jahre lang hatte sie den Haushalt geführt und jeden Teller mit derselben selbstsicheren Bewegung auf mein Bett gestellt. An diesem Abend waren es Suppe, Brei und zwei weiße Tabletten in einem Plastikbecher.

— Der Arzt hat gesagt, Sie brauchen diese unbedingt — erklärte sie.

Ich ließ den Kopf zur Seite sinken und tat so, als könne ich kaum noch die Augen öffnen.

— Später, Galina. Ich kann nicht.

Sie blieb stehen.

Zu lange.

— Sie müssen essen, Andreas Wiktorowitsch.

— Später.

Als sie endlich ging, wartete ich, bis ihre Schritte im Flur verschwanden. Dann richtete ich mich unter Schmerzen auf. Mein Herz hämmerte. Die Tabletten legte ich in ein Taschentuch mit kleinen roten Karos und schob es unter das Kissen.

Kurz vor halb elf ging die Tür erneut auf. Maria trat ein, schloss hinter sich ab und stellte eine Thermoskanne auf den Tisch.

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— Ich will wissen, was hier geschieht — flüsterte ich.

Maria sah zur Kamera in der Ecke.

— Dann müssen Sie zuerst wissen, wem diese Kamera gehört.

Sie zog den Stecker. Das Summen verstummte.

— Vor acht Tagen habe ich Oksana und Galina im Wirtschaftsraum gehört. Sie sprachen über die Tabletten. Ich habe eine davon heimlich untersuchen lassen.

Mein Magen verkrampfte sich.

— Was war darin?

Maria griff in ihre Schürzentasche und zog einen gefalteten Laborbericht hervor. Gerade als sie ihn aufschlagen wollte, hörten wir draußen einen Schlüssel im Schloss. Eine Hand legte sich auf die Klinke…

TEIL 2

Eine Hand legte sich auf die Klinke, und Maria erstarrte. Ich sah den gefalteten Bericht zwischen ihren Fingern, während mein Herz so laut schlug, dass ich überzeugt war, man müsse es draußen hören.

Die Klinke bewegte sich nach unten.

Maria packte die Thermoskanne und schob sie unter das Bett. Ich ließ mich zurück in die Kissen fallen und schloss die Augen. Der Bericht verschwand unter meiner Matratze.

Die Tür ging auf.

Galina stand im Spalt. In ihrer Hand hielt sie ein frisches Glas Wasser. An ihrem Ärmel klebte ein winziger weißer Faden, der bei jeder Bewegung zitterte.

— Ich dachte, Sie hätten Durst — sagte sie.

Maria senkte den Kopf.

— Ich wollte gerade gehen.

— Das sehe ich.

Galina sah zuerst Maria, dann mich an. Ihre Augen blieben einen Moment zu lange auf dem Taschentuch unter meinem Kissen liegen.

Ich zwang mich, schwer zu atmen.

— Lassen Sie das Wasser hier — murmelte ich.

— Natürlich.

Sie stellte das Glas auf den Nachttisch. Das Glas berührte die Holzplatte mit einem hellen, harten Ton.

Dann ging sie hinaus.

Wir warteten fast fünf Minuten.

Erst als die Treppe unter ihren Schritten knarrte, zog Maria den Bericht hervor.

— Ich habe die Tablette zweimal untersuchen lassen — flüsterte sie. — Das Ergebnis war jedes Mal gleich. Der Wirkstoff stört die Blutgerinnung. Bei regelmäßiger Einnahme kann er innere Blutungen auslösen.

Ich las die Zeilen, doch die Buchstaben schwammen vor meinen Augen.

— Deshalb die Bauchschmerzen.

— Und der Schwindel. Ihre Blutwerte wurden vermutlich so lange verändert, bis es wie eine seltene Krankheit aussieht.

Ich blickte auf das Wasserglas.

— Wer hat Ihnen gesagt, dass Galina mir die Tabletten gibt?

— Niemand. Ich habe sie vor acht Tagen im Wirtschaftsraum gehört. Oksana sagte: „Nicht mehr als zwei am Tag.“ Dann schüttete Galina etwas in ein anderes Fläschchen.

Mir wurde kalt, obwohl die Heizung auf höchster Stufe lief.

Oksana. Meine Frau. Die Frau, die vor zwölf Jahren im Krankenhaus meine Hand gehalten hatte, als unser Sohn geboren wurde.

— Warum haben Sie nicht sofort die Polizei gerufen?

Maria presste die Lippen zusammen.

— Weil ich einen sechsjährigen Sohn habe und weil ich nicht wusste, ob jemand im Haus für sie arbeitet. Wenn ich mich geirrt hätte, wären wir beide morgen ohne Arbeit und ohne Schutz gewesen.

— Und wenn Sie recht hatten?

Sie sah mich direkt an.

— Dann wäre Schweigen genauso tödlich gewesen.

Ich trank den selbst gemachten Hühnerbrühe aus der Thermoskanne. Sie war salzig, zu heiß und wahrscheinlich das Beste, was ich seit Wochen bekommen hatte. Nach wenigen Minuten fühlte ich meine Finger wieder.

— Ich werde weiterhin so tun, als nähme ich die Tabletten — sagte ich.

Maria schüttelte den Kopf.

— Das ist gefährlich.

— Weniger gefährlich, als sie glauben zu lassen, ich sei schon zu schwach, um mich zu wehren.

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Am nächsten Morgen schluckte ich vor Galina die Tabletten und ließ sie unter meiner Zunge verschwinden. Als sie sich umdrehte, legte ich sie in das karierte Taschentuch. Ich begann, jedes Stück aufzubewahren: die Tabletten, die Gläser, die kleinen Zettel mit den Uhrzeiten.

Maria versteckte eine zweite Kamera in der Messingglocke ihres Schlüsselbunds. Timko malte währenddessen im Flur ein Bild von unserem Haus. Auf dem Papier war mein Fenster schwarz ausgemalt.

— Warum ist es dort dunkel? — fragte ich ihn.

— Weil nachts jemand vor Ihrer Tür steht.

Am dritten Abend hörte ich tatsächlich Stimmen im Arbeitszimmer. Oksana und Galina stritten sich.

— Er muss unterschreiben, solange er noch bei Bewusstsein ist — sagte Oksana.

— Der Notar kommt erst morgen.

— Dann sorge dafür, dass er morgen noch atmet.

Ich drückte die Faust in die Decke. Maria stand neben mir und hielt den Atem an.

Später fand ich auf meinem eigenen Computer eine geöffnete Datei. Es war ein Entwurf für mein Testament. Mein gesamtes Vermögen sollte an Oksana gehen. Sogar die Firma.

Doch unter dem Dokument stand ein Datum, an dem ich bereits im Bett gelegen hatte.

Jemand hatte meine Unterschrift kopiert.

Am folgenden Nachmittag kam nicht der Notar, sondern ein Mann mit schwarzem Mantel. Er stellte sich als Viktor Malzew vor, Oksanas Anwalt, und legte einen Aktenordner auf meinen Tisch.

— Wir müssen einige Formalitäten erledigen — sagte er.

— Ich bin zu krank.

— Gerade deshalb.

Sein Blick fiel auf meine Hände.

— Unterschreiben Sie, und Ihre Frau kann die medizinische Versorgung weiter organisieren.

— Und wenn ich nicht unterschreibe?

Viktor lächelte nicht mehr.

— Dann wird man wohl feststellen, dass Sie nicht mehr geschäftsfähig sind.

Als er ging, fand Maria im Flur ein kleines Aufnahmegerät, das jemand unter den Teppich geschoben hatte. Sie hob es auf, drückte auf die Wiedergabetaste und wurde kreidebleich.

Aus dem Lautsprecher erklang meine Stimme.

Eine Stimme, die sagte, ich wolle Oksana enterben…

TEIL 3

Eine Stimme, die sagte, ich wolle Oksana enterben, alle Firmenanteile verkaufen und Maria für den Rest ihres Lebens verantwortlich machen.

Ich hörte die Aufnahme zweimal.

Beim dritten Mal sprang ich auf, obwohl meine Knie sofort nachgaben. Maria fing mich auf, und die Messingglocke an ihrem Schlüsselbund schlug gegen meinen Unterarm.

— Das bin nicht ich — sagte ich.

— Ich weiß.

— Aber es klingt wie ich.

— Dann brauchen wir jemanden, der beweisen kann, woher die Aufnahme kommt.

Am selben Abend rief Maria ihre Mutter an. Die alte Krankenschwester kam mit einem Arzt aus dem Stadtkrankenhaus, den sie seit Jahren kannte. Er untersuchte mich im Badezimmer, weil wir Galina nicht wissen lassen wollten, dass jemand im Haus war.

Der Arzt nahm Blut ab und legte die Spritze anschließend in seine eigene Tasche.

— Ihre Werte sind gefährlich — sagte er. — Aber noch ist es nicht zu spät.

— Wie lange hätte ich noch gehabt?

Er sah zur Tür.

— Ohne Behandlung? Vielleicht eine Woche. Vielleicht weniger.

Die Worte trafen mich härter als jede Diagnose.

Maria öffnete den Laborbericht wieder und legte die Tablette daneben.

— Der Wirkstoff wurde nicht in der Apotheke gekauft — erklärte der Arzt. — Die Zusammensetzung ist verändert. Jemand hat ein Blutverdünnungsmittel mit einem weiteren Stoff kombiniert, der starke Müdigkeit verursacht.

— Damit ich mich nicht wehre — sagte ich.

Der Arzt nickte.

— Und damit die Vergiftung wie ein fortschreitendes Organversagen aussieht.

In diesem Moment ging die Tür auf.

Oksana stand im Schlafzimmer. Hinter ihr Galina. Beide hatten uns gehört.

!!!  PARTE 4 — Na festa de noivado do meu filho, fui humilhada diante de todos — mas quando ele me chamou pelo nome, a noiva parou de sorrir

— Was soll das? — fragte Oksana.

Zum ersten Mal seit achtzehn Tagen sah ich sie ohne ihre sorgfältige Besorgnis. Ihr Gesicht war leer.

— Ich untersuche gerade, warum ich krank bin — antwortete ich.

Galina griff nach dem Laborbericht.

Maria stellte sich vor sie.

— Berühren Sie nichts.

— Sie sind entlassen — zischte Galina.

— Das entscheiden nicht Sie.

Oksana lachte kurz, aber es klang brüchig.

— Andreas, du bist verwirrt. Diese Frau will nur Geld.

Ich zog das karierte Taschentuch unter dem Kissen hervor und legte die gesammelten Tabletten auf den Tisch.

— Dann erklär mir, warum sie mir jeden Tag zwei davon gegeben hat.

Oksanas Blick fiel auf die Tabletten. Ihre Wangen verloren jede Farbe.

— Das sind Medikamente.

— Nein — sagte der Arzt. — Es sind Beweismittel.

Maria legte das Aufnahmegerät daneben. Dann drückte sie auf die Wiedergabetaste. Die gefälschte Stimme erklang erneut.

Oksana wurde still.

— Wer hat das aufgenommen? — fragte ich.

Sie antwortete nicht.

— Wer hat meine Stimme nachgemacht?

Galina wich einen Schritt zurück.

— Ich weiß von nichts.

— Aber du weißt, dass ich unterschreiben sollte — sagte ich.

Oksana schlug mit der Hand auf den Tisch.

— Du hast nie verstanden, was dieses Leben kostet! Alles hängt an mir! Wenn du ausfällst, verliere ich alles!

Im Raum wurde es still.

Der Arzt sah sie an.

— Sie haben gerade bestätigt, dass Sie von seinem Ausfall wussten.

Oksana erstarrte.

Ich hatte mein eigenes Telefon unter der Decke eingeschaltet. Die ganze Zeit hatte es aufgenommen.

— Die Polizei ist unterwegs — sagte ich.

Galina begann zu weinen.

— Ich wollte niemanden töten. Sie sagte, es würde nur aussehen, als würde er krank werden.

Oksana drehte sich zu ihr um.

— Halt den Mund!

Zu spät.

Die Hauptsache war bewiesen: Oksana hatte die Tabletten besorgt, Galina hatte sie verabreicht, und Viktor hatte die gefälschte Erklärung vorbereitet, damit ich als geschäftsunfähig gelten sollte.

Doch bevor die Polizisten eintrafen, vibrierte mein Telefon erneut.

Eine unbekannte Nummer hatte eine Nachricht geschickt: „Sie haben nur die erste Aufnahme gefunden. Öffnen Sie das Schließfach im alten Büro, bevor Oksana davon erfährt.“

Darunter stand ein Name, den ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr gehört hatte: Daniel Kowalenko, mein verstorbener Vater.

Ich sah Maria an.

Und hinter uns begann Oksana plötzlich zu lächeln…

FINALE TEIL

Dann öffnete ich das Schließfach, vor dem Oksana Angst hatte…

Ich dachte, die Wahrheit über die Tabletten wäre das Schlimmste. Doch im letzten Teil verstand ich, wie weit alles zurückreichte.

Im Vernehmungsraum hörte Oksana ihre eigene Stimme.
„Du kannst mich nicht für immer bestrafen.“
Da wusste ich, dass sie noch immer nichts verstanden hatte.

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Ich lag in meinem eigenen Haus im Sterben, bis ein Kind mir etwas zuflüsterte und meine Frau plötzlich erblasste
Tizenkétszer hagyott ott a mostohanővérem miatt, de a bíróság előtt tett kérdésemre a volt párom elsápadt