TEIL 4 — Mein Mann verließ mich wegen meiner Kinderlosigkeit und gründete eine neue Familie, doch bei unserem Wiedersehen verschwand sein Lächeln

TEIL 4

Der Archivar nannte mir am Telefon einen Namen.

Sergejs Mutter war seit zwölf Jahren tot.

Aber die Akte hatte nicht sie angefordert, sondern Walentina.

Sie war nicht verschwunden, weil sie Angst vor Sergej hatte. Sie war in die Hauptstadt gefahren, hatte sich in einer Pension eingemietet und versucht, die letzten Beweise aus dem Archiv zu holen.

Am nächsten Morgen rief sie selbst an.

— Ich werde nicht zurückkommen, sagte sie. — Aber ich will, dass Nastja alles bekommt, was ihr zusteht.

— Sie braucht keine Gegenstände, antwortete ich. — Sie braucht Erwachsene, die endlich ehrlich sind.

Am anderen Ende hörte ich ein Feuerzeug klicken.

— Dann hören Sie mir zu. Es gibt eine Tonaufnahme.

Sergej, der neben mir am Fenster stand, fuhr herum.

— Eine Aufnahme von was? fragte ich.

— Von damals. Von dem Gespräch zwischen Sergej und seiner Mutter. Ich habe es heimlich aufgenommen. Ich war jung und feige. Aber ich wusste, dass sie etwas Schreckliches tat.

— Warum haben Sie so lange geschwiegen?

— Weil ich dachte, Sergej würde mich verlassen, wenn er erfährt, dass Nastja nicht seine Tochter ist.

Ich schloss die Augen.

— Und jetzt?

— Jetzt habe ich niemanden mehr, den ich schützen muss.

Sie schickte uns die Aufnahme noch am selben Tag.

Sergej saß im Besprechungsraum des Heims. Nastja saß neben mir. Zwischen uns stand ein altes Abspielgerät, das die Heimleiterin aus einem Schrank geholt hatte. Das Kabel war an einer Stelle mit Klebeband umwickelt.

Ich drückte auf die Taste.

Zuerst rauschte es.

Dann erklang Sergejs junge Stimme.

— Wenn Tatjana keine Kinder bekommen kann, muss ich sie verlassen.

Ich kannte diese Stimme. Ich hatte sie geliebt.

Aus dem Rauschen kam die Stimme seiner Mutter:

— Du darfst keine Zeit verlieren. Walentina kann dir Kinder schenken. Tatjana wird dir nur Schande bringen.

— Aber ich liebe Tatjana.

— Liebe ist kein Stammbaum.

Dann hörte man einen Umschlag auf den Tisch fallen.

— Die Ärztin hat die Probe vertauscht, sagte die alte Frau. — In ein paar Monaten ist alles erledigt.

Sergej atmete schwer.

— Sie wird daran zerbrechen.

— Frauen zerbrechen nicht. Sie finden sich ab.

Es folgte ein langes Schweigen.

Dann sagte Sergej:

— Ich mache es.

Nastja stand auf. Ihr Stuhl fiel um.

— Du hast es gewusst, sagte sie.

Sergej wurde kreidebleich.

— Ich wusste nicht, dass sie die Untersuchung manipuliert hatte.

— Aber du wusstest, dass sie gegen Tatjana arbeitet.

!!!  4. RÉSZ — A rossz repülőgépre szálltam fel, miközben a nagymamám temetésére siettem, és a tulajdonos arca hirtelen megváltozott

— Ich war ein Feigling.

— Du sagst das immer wieder, weil es einfacher ist, als zu sagen: Ich habe mich entschieden.

Er öffnete den Mund, fand aber keine Antwort.

Ich stoppte die Aufnahme.

Nicht, weil ich sie nicht mehr hören konnte.

Sondern weil ich genug gehört hatte.

In den folgenden Tagen ging alles schnell.

Der Archivar übergab die Originalakte an die Polizei. Eine Anwältin erklärte uns, dass die damalige Fälschung zwar lange zurücklag, aber die neue Tonaufnahme und die entfernte Akte wichtige Beweise enthielten. Sergej rief seine Rechtsberatung an und bat sie, ihn aus allem herauszuhalten.

Die Anwältin lehnte ab.

— Sie haben die Scheidung auf eine falsche medizinische Grundlage gestützt, sagte sie. — Ich kann Sie nicht vertreten, wenn Sie die Wahrheit weiterhin verschweigen.

— Ich habe die Wahrheit nicht erfunden.

— Aber Sie haben von ihr profitiert.

Sergej legte auf. Seine Hand zitterte.

Am Nachmittag rief Walentina an.

— Ich will Nastja sehen.

— Das müssen Sie mit ihr klären.

— Sie hasst mich.

— Sie hat das Recht dazu.

— Und Sergej?

— Er hat das Recht, die Folgen seiner Entscheidungen zu tragen.

Walentina schwieg.

— Sie waren die Einzige, die ihn wirklich geliebt hat, sagte sie schließlich.

Ich sah auf die Blechspieluhr mit der kleinen Schwalbe.

— Nein. Ich war die Einzige, die nicht verlangt hat, dass er dafür jemand anderes wird.

Drei Tage später hörte Sergej die Aufnahme noch einmal. Diesmal saß er allein im Besprechungsraum. Ich stand hinter der halb offenen Tür, weil Nastja mich gebeten hatte, nicht wegzugehen.

Als seine eigene junge Stimme sagte: „Ich mache es“, legte Sergej beide Hände auf den Tisch.

— Das war ich nicht, flüsterte er.

Nastja trat in den Raum.

— Doch. Das warst du.

Er sah sie an.

— Ich wollte eine Familie.

— Du hattest eine. Du hast nur entschieden, dass sie nicht genug war.

Er weinte wieder. Diesmal ging Nastja nicht zu ihm.

Sie blieb stehen.

Das war ihr erster Schritt aus seiner Schuld heraus.

Ein Monat später wurde das Haus in unserem Dorf verkauft. Sergej konnte die Hypothek nicht mehr bezahlen, nachdem die jahrelangen Streitigkeiten um Unterhalt und Schadensersatz begonnen hatten. Ich fuhr nicht hin.

Nastja wollte aber ein letztes Mal in ihr altes Zimmer.

Wir fanden dort ein Bett ohne Matratze, einen zerbrochenen Spiegel und eine vergilbte Fotografie von Sergej mit zwei kleinen Kindern am Fluss. Auf der Rückseite hatte er geschrieben: Unsere Familie.

!!!  Part 4 — When my wife left for her ex, she told me to stay home and protect her lie — but at my answer she paled for the first time

Nastja nahm das Bild, drehte es um und legte es auf die Fensterbank.

— Ich nehme es nicht mit, sagte sie.

— Warum?

— Weil ich nicht für immer in diesem Satz wohnen will.

Andrej kam wenige Tage später aus der Stadt. Er war dreiundzwanzig und hatte von der Wahrheit erfahren. Er war tatsächlich Sergejs Sohn. Trotzdem sagte er:

— Vater, du hast mich geliebt. Aber du hast Tatjana nicht weniger verletzt, nur weil ich dein Blut bin.

Sergej saß am Küchentisch des Hauses und sah zwischen seinen Kindern hin und her.

— Ich weiß nicht, wie ich das reparieren soll.

— Vielleicht gar nicht, sagte Andrej. — Vielleicht musst du nur aufhören, es weiter kaputtzumachen.

Wochen vergingen.

Nastja blieb zunächst im Kinderheim, bis eine Pflegefamilie gefunden war. Sie schlief in einem kleinen Zimmer mit gelben Vorhängen und ließ nachts die Tür offen. Ich saß oft auf dem Flur, wenn sie nicht einschlafen konnte.

Eines Abends fragte sie:

— Hätten Sie mich aufgenommen, wenn Sie damals gewusst hätten, dass Sie Kinder bekommen können?

Ich lächelte traurig.

— Ich hätte dich aufgenommen, weil du du bist. Nicht, weil irgendein Arzt mir etwas erlaubt oder verboten hätte.

— Sind Sie wütend, dass Sie keine eigenen Kinder hatten?

Ich dachte lange nach.

— Früher war ich es. Jetzt weiß ich, dass mein Leben nicht leer war. Es war nur anders gefüllt, als ich dachte.

Sie legte ihren Kopf an meine Schulter.

— Darf ich Sie manchmal Mama nennen?

Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust löste.

— Du darfst mich nennen, wie es sich für dich richtig anfühlt.

— Dann nenne ich Sie Tatjana. Aber auf eine liebevolle Art.

Im Frühling bekam ich eine feste Stelle als Leiterin des Heims. Morgens schrieb ich Einkaufslisten, unterschrieb Anträge und stritt mit Lieferanten um frisches Obst. Nachmittags half ich den Kindern bei den Hausaufgaben.

Nastja begann eine Ausbildung in der Stadtbibliothek. Sie mochte den Geruch von Papier und die Ruhe zwischen den Regalen. Jeden Mittwoch kam sie zum Abendessen.

Sergej schrieb mir Briefe.

Zuerst lange Briefe, in denen er sich erklärte. Dann kürzere. Schließlich nur noch Nachrichten, die mit „Ich hoffe, du bist gesund“ begannen.

Ich beantwortete keine davon.

Im Dezember fiel der erste Schnee. Auf dem Hof des Heims bauten die Kinder einen schiefen Schneemann. Einer setzte ihm einen roten Plastikeimer auf den Kopf, ein anderer steckte ihm zwei krumme Zweige als Arme hinein.

!!!  Part 4 — My Daughter Brought Her Fiancé Home, but After One Sentence from Him, the Man Who Went Out into the Garden Turned Pale

Nastja lachte so laut, dass alle Kinder sich nach ihr umdrehten.

Ich stand in der Tür und hielt die Blechspieluhr in der Hand. Der Deckel war inzwischen zerkratzt, und die Schwalbe hatte nur noch einen Flügel. Trotzdem spielte die Melodie noch.

Nicht schön.

Aber tapfer.

Am Heiligabend kam eine letzte Nachricht von Sergej.

Ich las sie in meinem Büro, während draußen Papiersterne an den Fenstern zitterten.

„Ich habe das Haus verloren. Walentina ist fort. Andrej spricht kaum mit mir. Nastja sagt, ich soll dich in Ruhe lassen. Aber wenn du mir nur eine Möglichkeit gibst, möchte ich alles von vorn beginnen.“

Ich legte das Telefon neben die Spieluhr.

Dann schrieb ich zurück:

„Du darfst dein Leben neu beginnen. Aber nicht mit meinem.“

Ich drückte auf Senden.

Danach ging ich in den Flur. Ein kleiner Junge saß dort auf dem Boden und malte mit einem grünen Stift ein Haus mit vielen Fenstern. Über dem Dach schwebte eine gelbe Sonne.

— Ist das dein Haus? fragte ich.

— Unser Haus, sagte er.

Ich setzte mich zu ihm.

Später, als alle Kinder schliefen, schloss ich meine Bürotür ab. Auf dem Tisch lag die Blechspieluhr. Ich drehte den kleinen Schlüssel, und die Schwalbe begann ihre brüchige Melodie.

Diesmal wartete ich nicht darauf, dass jemand zurückkam.

Die Tür war offen.

Und ich war zu Hause.

Missed the beginning?

← Read the story from part one

Rate article
Comments: 1
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

TEIL 4 — Mein Mann verließ mich wegen meiner Kinderlosigkeit und gründete eine neue Familie, doch bei unserem Wiedersehen verschwand sein Lächeln
Soacra m-a dat afară în ziua înmormântării soțului meu, dar când a sosit avocatul, zâmbetul ei a dispărut